Liebe Freunde der Bewegungskunst, liebe Interessierte,
zu dem von vielen Seiten geführten "Krieg" gegen das Virus und um das Virus herum möchte ich aus der Sicht der Tai Chi-Bewegungskunst einen entspannten Bewegungsimpuls setzen. Wenn Ihnen der Gedanke gefällt, sagen Sie es weiter. Sie können auch einen Kommentar schreiben und ich freue mich natürlich auch über eine einfache Rückmeldung per E-Mail.


Das Virus, der Klimawandel und die Kunst der Entspannung
Es wird persönlich – unsere Vielfalt gewinnt!



Dass Vielfalt gewinnt, macht uns die Natur mit Leichtigkeit vor und dies jetzt auch mit einem wandelbaren Virus, der sich überall hin verbreitet. Da sind wir nun selbst in unserer ganzen Vielfalt gefordert. Das Virus betrifft uns persönlich und vereint uns weltweit –­ eine Lektion, die wir angesichts des Klimawandels bereits hätten lernen können.

Vielfalt und Überfluss ist das Evolutions-Prinzip der Natur, dadurch wächst sie, heilt sie sich, schützt sich und findet bei jedem Problem die beste Lösung. Und wir sind mitten drin in dieser überfließenden Vielfalt – von innen und außen, von allen Seiten beschenkt. Wir haben mit dem Planeten Erde ein wunderbares Haus zu unser aller Freude und freien Verfügung geschenkt bekommen. Statt es dankend anzunehmen und zu pflegen, nehmen wir es uns mit Zwang und Gewalt und plündern die Einrichtung für unseren kurzfristigen Nutzen. Wir denken, wir könnten uns das leisten. Können wir aber nicht, sagt uns der Klimawandel nun ganz deutlich.

Gegen die Natur leben – das spaltet uns. Wir sind immer wieder so beeindruckt von unserer eigenen Leistung und – an sich ja auch schönen – Zauber-Technik, dass wir die Basis von allem vergessen, die Natur, unsere gemeinsame Existenzgrundlage. Verbundenheit geht verloren, Ängste entstehen, Besitzstandswahrung wird oberstes Gesetz, und das Blickfeld verengt sich auf die aktuellsten Bedrohungen. Unter der vordergründigen Macht kauert die Ohnmacht. Wir haben uns eine Wirklichkeit geschaffen, in der der Glaube an Kampf, Gegeneinander und den Zwang, immer besser werden zu müssen, immer wieder aufs Neue seine Bestätigung findet. Obwohl dies gar nicht zu uns passt und sichtbar auch nicht zu den Menschen um uns herum, wenn wir sie näher kennenlernen. Auch sie meinen es eigentlich gut und geben in ihrem täglichen Tun auch was Gutes. Aber niemand allein, so scheint es, kann, bei Gefahr des Herausfallens, dieses Mühlrad des immer mehr Schaffens und besser sein Müssens wirkungsvoll anhalten. Dass es überhaupt im Ganzen möglich ist, hat das Virus jetzt gezeigt.

Was das Virus kann, können wir auch!
Im Kleinen lässt sich solches Anhalten auch in unserem ganz normalen Alltag verwirklichen. Wenn wir uns bewusst einen Freiraum der Entspannung schaffen – und Vielen gelingt dies hier und da mit etwas, das sie wirklich gerne tun – dann können wir auch einen entspannteren Blick auf das Kämpfen und die verschiedenen manchmal widersprüchlichen Seiten in uns gewinnen.

Entspannungskünste können diese Freiräume im Alltag unterstützen. So auch die aus der genauen Beobachtung der Natur entwickelte Tai Chi-Bewegungskunst mit ihren meditativen, heilsamen und spielerisch-kämpferischen Übungsangeboten. Da sie in jeder Bewegung bestmögliche Entspannung und Zentriertheit sucht, kann sie eine ebenso zwanglose wie kraftvolle Wirksamkeit erreichen, sozusagen aus der tragenden Kraft der Natur heraus.

Hinter dem Virus steht die Natur. Auch hinter uns Menschen steht die Natur.
Das lässt sich wiederentdecken, wenn wir uns ganz persönlich dieser inneren und äußeren Natur zuwenden. Dafür muss man nicht die moderne Medizintechnik oder überhaupt Technik ablehnen. Aber es lohnt sich, zugleich natürliche Wege der Regulierung und Heilung zu nutzen – gerne auch mit technischer Unterstützung – und auf ganzheitliche Zusammenhänge zu achten.

Wir können unsere Ängste annehmen und lernen, uns vor dem aktuellen Virus schützen, und zugleich die Virusgefahr als Teil der Lösung sehen, als Aufforderung, unsere innere und äußere Umwelt, zu pflegen. Und haben wir nicht schon viel durch das Virus gelernt? Und dies gerade in Sachen natürlicher und auch gesellschaftlicher Vielfalt, bis hinein in selten beachtete Bereiche der Gesellschaft, zu Pflegestellen, Spargelfeldern, Schlachthöfen usw.? Haben wir nicht auch in der Angelegenheit des bürgerschaftlichen Zusammenhalts, der sozialen Fantasie und der Lebenskunst schon viel durch das Virus gelernt – von Nachbarschaftshilfe, Geldschenkungen bis hin zu Balkonkonzerten und vielen anderen kulturellen, schulischen und ökonomischen (Wieder-) Entdeckungen?

Vielfalt leben
heißt, Freude am gemeinsamen Tun, Lernen und Austauschen haben – und nicht weiter dem allgegenwärtigen Kampf um die Existenz aufsitzen, mit all dem Vergleichen, den Versagens- und Verlustängsten. – Einmal innehalten, uns über Grenzen hinweg anfreunden und gemeinsam das Ganze halten! Auch das, was stört. So, wie es der gemeinsame Spaß im Tai Chi-Partnerspiel leichter macht, eigene Kampfes- oder Zwangsmuster zu erkennen – und dabei zu erleben, wie sie den Blick verengen, Beweglichkeit verhindern und, hoppla, schon habe ich die Balance verloren.

Früher war es in der Gruppe leider so, dass wir uns alle misstrauten, weil wir dachten, dass wir unser Gesicht verlieren, aber nach einer gewissen Zeit wurde es immer besser, weil wir ehrlich waren zu uns selbst. Wir haben uns angefreundet und ab da ging es steil bergauf. Wir haben Spaß gehabt und wenn einer beim Tai Chi-Wettkampf verloren hat, hat er nicht sein Gesicht verloren, sondern er hat gelacht, wie alle anderen, weil uns das Lernen Spaß gemacht hat und dadurch haben wir uns immer verbessert."
Özcan, 17 (Name geändert)

Jugendliche sind offen für diesen Aufbruch in eine kooperative Wirklichkeit. Und natürlich nicht nur Jugendliche. Immer mehr Menschen brechen persönlich auf, treffen sich im offenen Miteinander, starten Projekte oder engagieren sich in bürgerschaftlichen Initiativen, lokal, regional und global. Sie bewirken so eine wachsende Dynamik der Vielfalt in der Gesellschaft, von der Gelegentlichwählengehen-Demokratie hin zu einer Teilnahme-Demokratie. Dies gilt es auszubauen. Es empfiehlt sich, reichlich Energie und Mittel „in den Austausch zwischen Leuten zu spenden, die nichts miteinander anfangen können – nur so können wir etwas verändern." Achim Steiner, ehemaliger Leiter des UNO-Umweltprogramms)

Beschenken wir uns!
In diesem Sinne möchte ich Ihnen eine im Entstehen begriffene Internetseite für Zeitschenken ans Herz legen, die unterschiedlichste Menschen auf eine gemeinsame Plattform bringen will. Unter 8-tage.de kann man schon etwas über das Vorhaben lesen und auch schon laufende oder geplante Projekte Ideen und Taten beisteuern. – Da passt alles rein, was man gern tut, oder schon immer mal tun wollte, wenn man es über den eigenen Bekanntenkreis hinaus mit Menschen teilt.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
Auf diesen Impulstext folgen meinerseits in loser Reihenfolge kürzere Beiträge, gelegentlich in Form von Fragen, wie sie sich mir in unserer jetzigen Situation stellen: Naturtalent und Gabe – sind wir vielleicht schon eine Schenkgesellschaft? ; Lebenskunst als politischer Faktor? ; Die Kräfte der Selbstregulation stärken – körperlich, seelisch, sozial und ökologisch ; Die Schule nach Corona – Projektlernen for Future? …
Vielleicht wird hieraus mal ein Meinungs- und Informations-Blog für einen ganzheitlich orientierten Umgang mit unseren gegenwärtigen persönlichen bis gesellschaftlichen Herausforderungen. Wie bei früheren an bürgerschaftlicher Vielfalt und allseitiger Beteiligung orientierten Veranstaltungen bei uns in Mittelhessen, könnte auch hier die Tai Chi-Bewegungs- und Entspannungskunst als ein Starter für Beiträge aus allen Arten von privaten und beruflichen Blickwinkeln dienen.
 -- Bitte beachten Sie auch die anderen zu diesem Thema interessanten Texte auf der Seite 'Veröffentlichungen'. -- Für weitere Informationen können Sie sich auch in mein Kontaktformular oder für den Newsletter eintragen.

Thomas Luther-Mosebach

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